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"Das phatische Bild"
   
         
21.04.05 - 15:00:00
   
       
   
         
spectralanalysis series, 10 • Michael Wagner
   
       
   
             
        spectralanalysis_10






Paul Virilio spricht vom »phatischen Bild« der digitalen audiovisuellen Medien,
wenn er den Prestigeverlust des »Vollen« und »Aktuellen« in einer transparenten
und virtuellen Welt, in der die Repräsentation allmählich durch eine authentische
»öffentliche Präsentation« ersetzt wird, beschreibt. In seinem Essay
»Das öffentliche Bild«(in: Digitaler Schein. Ästhetik der elektronischen Medien. Hg.: Florian Rötzer, Frankfurt am Main 1991) beschäftigt er sich mit der grafischen
oder fotografischen Qualität der analogen klassischen Werbeanzeige,
deren Umkehrung der Wahrnehmung bzw. ihre Suggestion auf Plakatwänden,
in Zeitungen und Zeitschriften allgegenwärtig ist. In der sogenannten
»hohen Auflösung« dieser Werbefotografie sieht Virilio nicht mehr eine Ästhetik
fotografischer Genauigkeit, sondern allein »das Streben nach einem Relief,
nach der dritten Dimension, aus der die Botschaft ans Licht käme.
Durch unsere Blicke sucht die Werbebotschaft jene Tiefe und Dichte des Sinns
zu erreichen, die ihr so sehr fehlt.«

Virilio räumt ein, daß hochauflösende analoge Fotos zwar weiterhin benutzt werden,
um Passanten und Leser zu beeindrucken, doch sie zeigen nichts mehr an.
Sie zeigen vielmehr nur noch an, »daß sie ins Hintertreffen geraten sind
gegenüber den Erfolgen einer Telepräsenz der Dinge in Echtzeit.«
Das phatische Bild der analogen traditionellen Medien, das die Aufmerksamkeit
auf sich zieht und den Blick fesselt, übt keine Macht mehr aus. »Es ist ein Negativ,
daß sich wie das kinematografische Fotogramm in einen Zeitablauf einzugliedern
versucht, in dem Optik und Kinematik ineinander übergehen.«
Es ist das phatische Bild der digitalen audiovisuellen Medien,
welches nun das dargestellte Objekt beherrscht.

Michael Wagner, 2003.