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"Synthetisches Bild"
   
         
13.04.05 - 12:50:28
   
       
   
         
spectralanalysis series, 3 • Michael Wagner
   
       
   
             
        spectralanalysis_3





»Bis zum Einbruch der Elektronik bezogen sich Bilder auf »nachprüfbare« Gegenstände. Es existierte also etwas, das ihnen entsprach. Alles situierte sich in den etablierten Bezugsrahmen, die es uns erlaubten sie wiederzuerkennen. Seitdem sie aber von den Kathoden des Bildschirms aufgezeichnet werden, destabilisieren sich Gegenstände, Kategorien, Kriterien und Normen.«
(René Berger, Kunst und neue Technologien. In: Kunstforum Bd. 97, November/Dezember 1988)

Beim numerischen Bild existiert im Unterschied zu Fotografie und Film keine Analogie zwischen Repräsentation und repräsentierten Gegenstand, vielmehr ist es geprägt von einer Inflationierung der Dimensionen verbunden mit einer Entwertung der sinnlichen Erkenntnis. Es erzeugt ein logisch-mathematisches Modell, das weniger die phänomenale Seite des Realen beschreibt als die Gesetze, die es beherrschen. Diese Umkehrung des Verhältnisses zwischen Bild und dem Realen wird von Paul Virilio ganz entsprechend als der Unterschied zwischen der »aufgehobenen Präsenz« und der durch Echtzeit »aufgelösten« Präsenz des Gegenstandes markiert. Wurde der Raum reiner Irrealität bislang von Sprache und gemaltem Bild besetzt, so öffnet er sich nun dem synthetischen Bild, während die Fotografie immer eine montierte oder verfälschte Anwesenheit von etwas voraussetzt.

Michael Wagner, 2003.