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"Welt am Draht"
   
         
09.03.05 - 16:30:22
   
       
   
         
projection attachment • Michael Wagner
   
       
   
             
               

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Von besonderer Bedeutung für das Verständnis von Simulationen ist der Roman »Simulacron 3« von Daniel F. Galouye aus dem Jahr 1964 (Goldmann-Taschenbuch 1965), der eine Welt beschreibt, in der die Teilnehmer nicht physisch, sondern nur als Projektionen in der Simulationswelt des Computers vorhanden sind. Das Universum dieser Projektion besteht aus Menschen und Gegenständen, deren Kenntnis nur virtuell und nie physisch möglich ist. Galouyes Simulationswesen sind Puppen, die das ausführen, was sich der Spieler einer höheren Wirklichkeitsebene ausgedacht hat. Die Welt des Simulators besteht somit nur aus »simulelekktronischen Schatten, d.h., jegliche Materie und Bewegung ist nur ein Spiel elektronischer Ladungen«. im Bezugssystem des Simulators ist jede Bewegung illusorisch; zwar glauben die subjektiven Einheiten in einer körperlichen Umwelt zu agieren, in Wirklichkeit kommen sie jedoch nicht vom Fleck. Als Spionin einer exo-Welt wurde in »Simulacron 3« die sogenannte »id-Einheit« eingesetzt, um die Entwicklungen der endo-Welt zu beobachten. Galouye durchbricht die rationale Perspektive des Computers dadurch, daß er der Programmierung die Irrationalität der Liebe entgegensetzt. Galouye hat mit der Liebe zwischen Jinx Fuller (der id-Einheit) und Douglas Hall (dem virtuellen Computerexperten) auch das Problem aufgeworfen, ob sich eine physische Person in eine virtuelle verlieben kann. Im Simulator ist der jüngste Tag nicht ein physisches Phänomen, sondern eine »völlige Tilgung simulelektronischer Schaltkreise«. In einer simulierten endo-Welt hat es keinen Sinn, die Flucht zu ergreifen, da es kein Versteck gibt. Am Schluß des Stücks entkommt Douglas Hall seiner möglichen Tilgung nur dadurch, daß er aus der Illusion in die physische Wirklichkeit emporsteigt. es ist das besondere Verdienst Rainer Werner Fassbinders, der 1973 Galouyes Roman unter dem Titel »Welt am Draht« verfilmte, daß er, weit mehr als die Vorlage, die Menschen nicht dem Schicksal ausliefert, sondern seinen Personen die Kraft des Widerstandes, die Vision der vom Computer nicht determinierbaren Freiheit mitgibt. ...